‚CIMITERO DEI CARUSI‘, DER FRIEDHOF DER JUNGS
12. November 1881. Uhrzeit: 6:00 Uhr morgens. Schwefelmine von Gessolungo. Caltanissetta. 250 Bergarbeiter steigen wie jeden Morgen in die Mine hinab. Eine Grubengas-Explosion verursacht einen starken Brand, der durch eine Acetylen-Fackel ausgelöst wurde. 55 Männer schaffen es, sich trotz ihrer Verletzungen in Sicherheit zu bringen. 65 Männer sterben sofort. 16 Männer sterben im Krankenhaus wegen ihrer schweren Verletzungen. Diese Männer arbeiteten in der Schwefelmine. 19 von ihnen waren sogenannte “carusi”, Kinder zwischen 6 und 14 Jahren. Ihr Name leitet sich im sizilianischen Dialekt vom lateinischen Ausdruck “carens uso”, d. h. “Unerfahrene” ab. Diese Jungs mussten die härteste, aber wesentliche Arbeit in der Mine leisten: Das aus dem Erdinneren gewonnene Material nach außen bringen. Ihre Arbeitsbedingungen waren, abgesehen von der Tatsache, dass es sich um Kinderarbeit handelte, derart unbehaglich, brutal und unmenschlich, dass sie an Sklaverei grenzten. In der Tragödie von Gessolungo vom 12. November 1881, die eine der schlimmsten in den sizilianischen Schwefelminen war, konnte man zwanzig Tage nach der Explosion bei der Bergung der 55 Leichen der Opfer, 9 Jungs nicht einmal einen Namen geben: Sie waren ihrer Kindheit und dem Sonnenlicht beraubt worden, um im Erdinneren zu leben und hatten nicht einmal eine Identität, denn oft vergass man sogar ihren Namen. Die Bevölkerung war derart erschüttert über den Tod so vieler Minenarbeiter und Kinder in Gessolungo, dass sie das Begräbnis der Opfer in einem Friedhof forderte und erhielt, der speziell in der Nähe des Bergwerks gebaut wurde. Der heute zurückgewonnene Friedhof, der als der “Cimitero dei Carusi”, der 'Friedhof der Jungs' bekannt ist, erinnert an die Bergbauopfer der vergangenen Jahrhunderte, die Opfer des Schwefels, der Generationen von Sizilianern zunächst Hoffnungen machte und dann enttäuschte.




















